Andelfinger Zeitung
Freitag 18.Juli 2008 - die führende Zeitung im
Zürcher Weinland schreibt:
Gütighausen: Reittherapie 'Charly' von Vukosava Milatovic
Eine Therapieform für Körper und Seele
Mit ihrer Diplomarbeit "Lukas am Zug" schloss Vukosava Milatovic vor Kurzem ihre Ausbildung als Reittherapeutin mit grossem Erfolg ab. Mit ihrem gutmütigen Freiberger Pferd Charly bietet sie Reittherapie für Kinder und Erwachsene, Schulung im Umgang mit Pferden sowie Wägelifahrten an.
Vukosava Milatovic wohnt seit acht Jahren im Schulhaus Gütighausen und arbeitet an einer Zürcher Klinik als Pflegefachfrau. Nicht nur ihre sehr gute Ausbildung im medizinischen Bereich, sondern auch ihr herzliches Wesen machen ihre Reittherapie zu einem wohltuenden Erlebnis. Die fröhliche, liebenswürdige Vuki, wie sie von vielen genannt wird, beeinflusst die Stimmung stets positiv, was sehr hilfreich für kleine wie auch grosse Klienten ist und die Kommunikation erleichtert. "Bei dieser Therapie ist der Patient nicht als Kranker abgestempelt, denn er geht reiten, er ist es, der das Pferd pflegt und er ist mitbestimmend, wie die Stunde verläuft. Die Therapeutin lenkt nur die Lektion", erklärt sie.
Mensch-Tier-Beziehung
Vukis Pferd Charly, das auf dem Burghof in Pension ist, steht auf der Weide beim Schulhaus, im Schatten unter dem grossen Nussbaum. Die Reittherapeutin holt Charly, striegelt ihn liebevoll kommunizierend, zäumt ihn und spannt ihn vor den sulkyähnlichen Wagen. "Es ist ein Glücksfall, dass sich mein 14-jähriger Charly so gut für die Reittherapie eignet. An erster Stelle steht das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Pferd. Ist dieses aufgebaut, wird der Mensch vom Pferd angenommen. Es verurteilt nicht, es will nur, dass man korrekt mit ihm umgeht", erklärt Vuki und lädt zum Platznehmen auf dem Wagen ein. Die erholsame Fahrt über Feldwege macht Spass- den Fahrgästen wohl mehr als Charly, der von Fliegen geplagt wird, die von Vuki jedoch immer wieder behutsam mit der Peitsche verjagt werden.
Gut für Körper und Geist
Die Reittherapie bietet zahlreiche Möglichkeiten, auf eine bestehende Problematik einzugehen. Die Arbeit mit dem Pferd birgt die Möglichkeit, sowohl den Körper (Motorik, Gleichgewicht, körperliche Schwäche), wie auch die Psyche (Kontaktfähigkeit, Selbstwertgefühl, Durchsetzungsvermögen) anzusprechen. Im Kontakt mit dem Pferd sollen neue Erfahrungen gesammelt werden, die physisches und psychisches Handeln fördern.
Auf psychischer Ebene lernt ein Patient, sich selber und andere zu akzeptieren, Geduld zu üben und Verantwortung zu übernehmen. Der direkte und enge Kontakt mit dem Pferd kann einerseits helfen, die Stimmung zu stabilisieren und andererseits dazu beitragen, das eigene Handeln bewusst zu erleben und zu reflektieren. So kann der eigene Realitätsbezug differenzierter werden.
Auf der physischen Ebene bietet Reittherapie positive Wirkungen im Bereich der körperlichen Symtomatik: Bewegungsabläufe werden verbessert, die Gesamtmuskulatur gekräftigt und die Körperwahrnehmung verbessert. Ausserdem wirkt die Arbeit mit dem Pferd allgemein aktivierend und hebt die Stimmung, was zur Stärkung des Immunsystems führen kann.
Eine alte Therapieform
Das Pferd ist das erste Tier überhaupt, das in der Therapie eingesetzt wurde. Sein Einsatz für die Bewegungstherapie reicht weit zurück. Im 16. Jahrhundert stand der gesundheitsfördernde Aspekt des Reitens im Vordergrund. Nachdem im 19. Jahrhundert das Reiten als Therapieform weitgehend in Vergessenheit geraten war, wurde es in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt; zunächst als sogenannte Hypotherapie (medizinisch ausgerichtet). Mitte der 60er-Jahre entwickelte sich mit Bezug zur Pädagogik und Heilpädagogik in Deutschland das heilpädagogische Voltigieren/Reiten und in der Schweiz das heilpädagogische Reiten mit Schwerpunkt in der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Die Reittherapie beinhaltet sämtliche Aktivitäten rund um das Pferd und findet sowohl auf dem Boden, wie auch auf dem Pferderücken statt. Sie wird von Fachpersonen mit anerkanntem Abschluss durchgeführt und findet im Gegensatz zum heilpädagogischen Reiten mit einem einzelnen Klienten statt.
Grosses Einfühlungsvermögen
In der Beurteilung der Diplomarbeit von Milatovic, "Lukas am Zug" betont die Expertin das grosse Einfühlungsvermögen und das methodische Geschick, mit welchem die Reittherapeutin das Selbstbewusstsein des Patienten Lukas stärkte. So hätten "warten können" und "machen lassen" einerseits und situationsgerechte Hilfestellungen andererseits dazu geführt, dass sich Lukas auch im täglichen Leben besser durchsetzen könne. Weiter wurden auch die kreativen Ideen der Diplomandin hervorgehoben. Milatovic wurde als sehr gute Therapeutin bewertet.
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